Wald macht schlau…

Das Konzept der Waldkindergärten „macht nicht nur Schule“, es bereitet auch die Kinder optimal auf die Schule vor. Warum das so ist möchte ich anhand von wissenschaftlichen Studien und persönlicher Erfahrung veranschaulichen.

Aus den Studien:

In mehreren wissenschaftlichen Studien wurden Kinder von Regelkindergärten mit den Kindern, die einen Waldkindergarten besucht haben, verglichen. Im Ergebnis schneiden die Waldkinder sehr gut ab. Besonders in den Bereichen Motivation – Ausdauer – Konzentration, Sozialverhalten und Mitarbeit im Unterricht besitzen die Kinder aus Waldkindergärten den anderen Kindern gegenüber einen deutlichen Vorteil. So hat zum Beispiel Peter Häfner in seiner 2002 veröffentlichten Dissertation über „Natur- und Waldkindergärten in Deutschland“ festgestellt „dass Kinder aus Waldkindergärten im ersten Schuljahr nicht nur ein besseres Sozialverhalten an den Tag legen sondern auch in Bezug auf ihre Motivation in der Schule, ihre Ausdauer und ihr Durchhaltevermögen sowie hinsichtlich ihrer Fähigkeit zur Konzentration von den Lehrkräften besser beurteilt werden.“

Auch über den so immens wichtigen Bereich des Sozialverhaltens liefert Häfners Dissertation beeindruckende Ergebnisse; „Waldkindergartenkinder fügen sich im Durchschnitt leichter in eine Gruppe ein, sind rücksichtsvoller gegenüber anderen Kindern, lösen auftretende Konflikte friedlicher und zeigen weniger aggressives Verhalten“. Häfner begründet dies damit, dass „die Kinder untereinander während ihres Aufenthaltes im Wald viel mehr auf gegenseitige Hilfe angewiesen sind. Und das sich natürlich dies positiv auf die Kooperations- und Teamfähigkeit der Kinder aus wirkt“. Eine weitere Erklärung für das überaus gut ausgebildete Sozialverhalten von Kindern aus Waldkindergärten führt er auf den sehr guten Personalschlüssel zurück. Dazu Häfner „So hat durchschnittlich jede Betreuungsperson definitiv mehr Zeit für Zuwendung, individuelle Förderung und Unterstützung für das einzelne Kind“. Eine dritte Erklärung ist, dass „der Verzicht auf „standardisiertes“ Spielzeug in allen Waldkindergärten dazu bei trägt, dass die Kinder einerseits Naturmaterialien zu Spielzeug umfunktionieren und andererseits mehr auf verbaler Ebene miteinander kommunizieren müssen. Das wiederum fördert nicht nur eine vielschichtige Ausdrucksweise, sondern hat auch positive Auswirkungen auf das Verhalten im Umgang mit den anderen Kindern der Gruppe.“

Peter Häfner Fazit ist: „Fasst man die Ergebnisse meiner eigenen Untersuchung zusammen, so kann klar festgestellt werden, dass gerade die Kinder, die einen Waldkindergarten besucht haben, im Hinblick auf diese alarmierenden Befunde der PISA-Studie eine hoffnungsvolle Schülergruppe darstellen. Im Schnitt verfügen sie über eine sehr eloquente Ausdrucksweise und zeichnen sich auch etwa im musischen Bereich durch hohe Leistungsfähigkeit aus. Sowohl hinsichtlich Phantasie und Kreativität als auch der Mitarbeit im Unterricht, dem sozialen Verhalten und ihrer Motivation schneiden sie evident besser ab als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler aus Regelkindergarten“

Roland Gorges, Professor an der Fachhochschule Darmstadt für die Fachgebiete Pädagogik und Vorschulerziehung hat zu dem Thema Waldkindergärten intensiv geforscht, in einen Beitrag für die Zeitschrift „Unsere Jugend“ Ausgabe 6/2000 schreibt er;„Einige Berichte belegen auch, dass im Wald weniger Konflikte zwischen Kindern entstehen bzw. diese eher konstruktiv gelöst werden. Schließlich wird auch die für die Sozialerziehung bedeutsame Orientierung an Regeln erleichtert, da den Kindern der Sinn von Regeln leichter vermittelt werden kann.“

Aus den Studien geht auch hervor, dass Waldkindergärten nicht nur Kinder schlau sondern auch die Kinder gesünder machen.

Das fängt bei den Krankheitstagen an. Ein Vergleich zwischen einem Regelkindergarten und einem Waldkindergarten ergab, dass die Kinder im Regelkindergarten fast drei Mal so oft krank sind, wie die Waldkindergartenkinder. Professor Roland Gorges führt dies in dem zuvor genannten Beitrag auf eine Stärkung des Immunsystems durch den Aufenthalt im Wald bei den verschiedensten Witterungsbedingungen, zurück. Dem fügt er zu, dass die Kinder sich im Wald vielfältiger bewegen und das dies dabei hilft, Fehlentwicklungen an der Wirbelsäule und der Rückenmuskulatur entgegenwirken und zu vermeiden.

Laut Professor Gorges schneiden Waldkindergartekinder auch Bezüglich der seelischen Gesundheit sehr gut ab. „Die Kinder sind meist emotional sehr ausgeglichen, sie zeigen weniger die ansonsten häufig beklagten Verhaltensauffälligkeiten wie geringe Konzentrationsfähigkeit oder hyperkinetisches Syndrom (ADHS). Da der Aufenthalt im Wald offenbar den elementaren Bedürfnissen der Kinder nach Bewegungsmöglichkeit, nach Gelegenheit, die Umwelt zu erkunden, nachautonomer Gestaltung von Spiel- und Handlungssituationen entgegenkommt, wird der Besuch von Waldkindergärten in einigen Fällen auch als Beitrag zur Suchtprävention bewertet“

Aus persönlicher Erfahrung

Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus kann ich diese Studien bestätigen. Meine Tochter hat vor dem Waldkindergarten eine andere Kita besucht, somit habe ich einen gewissen Vergleich. Besonders aufgefallen ist mir, dass die Kinder Konflikte im Wald friedlicher und kreativer lösen können. Zudem entstehen Konfliktsituationen seltener. Das mag daran liegen, dass die Kinder, bedingt durch die natürliche Umgebung und durch die viele Bewegung, im Wald entspannter sind. Diese Entspannung trägt sich bei meinen Kindern übrigens auch in den Nachmittag und ins Wochenende hinein, was ich als sehr angenehm empfinde. Unsere Kinder sind auch auffällig selten krank seitdem sie im Waldkindergarten sind. Sie sind wirklich kleine, von Gesundheit strotzende Kraftknirpse, wobei ich mit „Kraft“ keine überschüssige Kraft meine sondern eine gut ausbalancezierte Fähigkeit. Diese Fähigkeit drückt sich unter anderen auch in einer sehr hohen Ausdauer, Motivation und einer guten Konzentration aus.

Zusammenfassend vermittelt unser Waldkindergarten Fähigkeiten zur Konfliktlösung, Ausgeglichenheit, Konzentration, Ausdauer, Motivation und innere Stärke.

Ich bin davon überzeugt, dass ich meinen Kindern mit dem Besuch des Waldkindergartens Erfahrungen ermögliche, die ihren inneren „Werkzeugkasten“ der Fähigkeiten immens bereichert. Auf diese „Werkzeuge“ werden meine Kinder auch in Jahrzehnten noch zurückgreifen können.

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Quellenangabe und Links zu den Studien:

Quellen:

1. Häfner, Peter: Wie schulfähig macht der Waldkindergarten (PDF)

2. Häfner, Peter: Promotion (kurze Zusammenfassung) Zum Vergleich von Kindern aus Wald- und Regelkindergärten im ersten Schuljahr. (PDF)

3. Gorges, Roland: Der Waldkindergarten – ein aktuelles Konzept kompensatorischer Erziehung (PDF)

Kleine Sammlung von Informationen zum Thema Waldkindergarten:

Doktorarbeit (Inauguraldissertation) von Peter Häffner: „Natur- und Waldkindergärten in Deutschland…“ (PDF)

Lizenziatsarbeit Sarah Kiener – Kindergärten in der Natur (PDF)

Sarah Kiener-Wauquiez – Was bringen Naturerlebnisse Kindern (PDF)

Prof. Gorges zur Schulfähigkeit von Waldkindergartenkindern (PDF)

Forschungsstand über Waldkindergärten auf www.waldwissen.net

Artikel: Waldkindergärten im Aufschwung auf www.waldwissen.net

Artikel: Arbeit mit Kindern in der Natur vom Fachverband Erleben und Bildung in der Natur

Artikel: GEO-Magazin: Kinder, raus in die Natur!

Herzlichen Dank an Sarah Kiener-Wauquiez, Prof. Roland Gorges und Dr. Peter Häfner dafür, dass wir ihre Arbeiten hier veröffentlichen dürfen.